Wenn ich mal so aus mir raus gehe, stehe ich oft neben mir, schau mich an und denke: was bist du für ein Mensch? Du bist außer dir... und ich bin außer mir der einzige neben dir - weil außer uns ist keiner da...
Ein Interview
Was finden Sie lustig?
Alles, was mit ungewollter Situationskomik zusammenhängt. Wenn unser zauberhafter EU-Vertreter Günther Oettinger in Berlin eine Rede in seinem ureigenen Englisch hält, nachzusehen auf YouTube, da kann ich mich auf geradezu alberne Weise wegschmeißen. Wer’s noch nicht gesehen hat: http://www.youtube.com/watch?v=OXPPu418C78
Worüber können Franken lachen?
Das ist jetzt keine originelle Antwort, aber Franken lachen nach meiner Erfahrung über die gleichen Dinge wie ein Westfale, ein Berliner oder ein Schwabe, sofern es sich beim Schwaben nicht um Günther Oettinger handelt. Beim Franken kann es nur sein, dass es etwas länger dauert, bis der Witz bei ihm ankommt. Was von Vorteil ist, da er sich noch Tage später über mein Kabarett-Programm amüsiert.
Was ist Ihnen fremd?
Humorlosigkeit und Engstirnigkeit. Und der teilweise seltsame Umgang mit Fremden.
Was ist fränkisch an Ihnen, wo Sie doch ein „reingeschmeckter“ sind?
Ich bin durch die vielen Jahrzehnte inzwischen voll assimiliert und hab all das an und in mir, was einen Franken ausmacht – verbunden mit dem Vorteil, dass ich mich notfalls als Münchner aus allem herausreden kann.
Was ist die größte Stärke der Franken?
Die Stehaufmännchen-Qualität. Einen Franken kriegt man nicht dauerhaft gedrückt. Insofern bleibt mir die Hoffnung beim Club erhalten…
Was hat Sie zur Musik gebracht?
Mein Gehör.
Seit wann machen Sie Musik und welche?
Seit meinen ersten Schreiübungen als Säugling. Ich gehörte damals dieser A Capella-Punkrock-Bewegung an. Schreien ohne erkennbaren Inhalt. Später kamen und vergingen Blockflöte, Maultrommel, Fagott, Gitarre und Ziehharmonika. Was blieb, ist das Klavier. Und mit dem mach ich mal gute Musik, mal weniger gute…
Was bedeutet Ihnen klassische Musik?
Schön zu hören, schwer zu spielen.
Wenn Sie im Orchester spielen könnten (dürften), welches Instrument wäre Ihnen dann das Liebste und warum?
Nun ja, es käme nur der Flügel in Betracht. Jedoch ich wäre dank meiner spielerischen Disziplinlosigkeit der Ruin des Orchesters und würde schon sehr bald vom Dirigenten erschlagen werden – sicher unter dem donnernden Applaus aller anderen Anwesenden.
Was unterscheidet Ihre Auftritte in einem Theater von anderen?
Da gibt es nur wenig Unterschiede. Eine Kabarett-Bühne hat vielleicht eine größere Unmittelbarkeit und Nähe. Im Theater fallen hie und da die unbesetzten Abo-Plätze auf. Dafür ist dann die Bühne besser ausgeleuchtet.
Wo sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Metzgerei Boggnsagg und einem Theater?
Um Beides wird Theater gemacht, und bei Beiden diktiert die Dramaturgie des Lebens das Geschehen.
Welches politische Amt wartet auf Sie?
Sicher keines. Ich wäre viel zu ungeduldig.
Was halten Sie vom Klimawandel?
Die Frage sollte man unseren Kindern und Enkeln stellen, die müssen all unsere Versäumnisse ausbaden. Uns werden sie fragen: warum habt ihr nicht das nötige getan, wo ihr es doch gewusst habt?!
Für viele Kabarettisten ist die Faschingszeit die Hochsaison. Sehen Sie das genauso?
Nein. Es stimmt so auch nicht. Die Mehrzahl der Kabarettisten entziehen sich dieser speziellen Faschings-Fröhlichkeit. Es wird da eine andere Art von Humor gelebt, und der ist mit den meisten meiner Kollegen nicht kompatibel. Meist sind es ja auch Comedians, die sich der Gute-Laune-Prunk-und Schunkelstimmung unterwerfen. Was nicht heißt, das das nicht auch gut sein kann.