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Presse Ingolstadt (DK) Der Tisch biegt sich vor Paketen und Geschenkkörben und irgendwo lugt eine lorbeerumkränzte 50 hervor. Aha, im Hause Regenauer wird gefeiert, noch dazu was Rundes. Wie schön. – Schön? Von wegen. Der Cateringservice hat versagt und statt des Mottobuffets Nr. 16 "Sexy Emotions" aus Versehen die Nr. 34 "Seniorenglück Deluxe" geliefert. Und weil Bernd Regenauer, die tragische Figur in seinem eigenen Einpersonenstück mit dem Titel "Unter Freunden", ein waschechter Nürnberger ist, gibt es also statt einer "Schdribberin" pürrierten Kalbsbraten aus der Schnabeltasse. "Unter Freunden", das klingt nach "Unter Geiern", und so ist es auch gemeint. Über 150 beste Freunde hat er eingeladen zu seinem großen Fest, darunter richtige Ekeltypen, aber auch nette Zeitgenossen, die allerdings wiederum den Nachteil haben, mit Ekeltypen verheiratet zu sein. Dazu ein paar "Gewohnheitsdabeiseier", nervtötende Gutmenschen, Schnorrer, betrunkene Laller, widerliche Angeber und jede Menge eigentlich unerwünschten Anhang. Kein Wunder also, dass der Jubilar leidet, unter sinnlosen Geschenken, unter per Power Point präsentierten Filmchen aus seiner Jugend, unter infantilen Pärchenspielen, unter fürchterlichen Glückwunschgedichten und der Bestätigung all der Vorurteile, die er schon immer pflegte, wenn es um seine Freunde ging. "Man ist heutzutage bereits mit 30 hoffnungslos überfreundet", sagt er, und angesichts des Personals, das Regenauer in diesem Stück auf die Bühne der Fronte stellt, muss man ihm irgendwie Recht geben. "Unter Freunden" steht in der Qualität der Machart und der Durchführung gleichberechtigt neben Regenauers "Nützel"-Trilogie, was nichts anderes heißt als: Es ist ein hervorragendes, ein Top-Programm. Mit einem Thema, in dem man sich verlieren könnte, das aber hier stringent auf den Punkt gebracht wird, mit einer Geschichte, die sich fortentwickelt, mit genau gezeichneten Charakteren, mit einer akribisch genau und höchst dynamisch arrangierten Pointenfolge und mit einem Hauptdarsteller, der – sähe er seine eigene Rolle nicht mit dem berühmten ironischen Augenzwinkern – einem Leid tun müsste, weil ihm so viel Skurriles aber eben auch Wahres widerfährt. Was das Publikum aus eigener Erfahrung als solches auch erkennt und deswegen herzlich belacht. Regenauer weiß, dass private Tragödien eben selten ihre Wirkung verfehlen, vor allem bei denen, die gerade nicht selber davon betroffen sind. Und genau mit dieser Haltung spielt er, und zwar meisterlich. Von Karl Leitner (“Donaukurier” - 5.4.2009)
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